Den Donut «ausrollen» für Schweizer Städte und Gemeinden

25. Mai 2026 durch
Den Donut «ausrollen» für Schweizer Städte und Gemeinden
Swiss Donut Economics Network, Karin Mader

Was tut meine Stadt oder Gemeinde bereits – und was könnte sie zusätzlich oder besser machen, damit die Menschen sich hier wohl fühlen und gedeihen können, ohne dabei die planetaren Grenzen und das Wohlergehen aller Menschen weltweit zu gefährden?
 
Mit dieser Leitfrage eröffnete Kate Raworth den Workshop, den das One Planet Lab gemeinsam mit dem Swiss Donut Economics Network Anfang Mai in Zürich organisiert hat. 25 Teilnehmende aus Schweizer Gemeinde- und Stadtverwaltungen, aus lokalen Parlamenten und weitere Fachpersonen brachten ihre Einschätzung ein und tauschten ihre Erfahrungen und Fragen aus.

Zu Beginn zeigte Kate Raworth, wie sich der Donut «ausrollen» lässt, um die Theorie in die Praxis zu bringen. Das vom internationalen Doughnut Economics Action Lab entwickelte Toolkit «Unroll the Doughnut» schlägt zum Betrachten der Leitfrage vier Perspektiven («four lenses») vor:

  • lokal-ökologisch
  • global-ökologisch
  • lokal-sozial
  • global-sozial

Jede dieser vier Perspektiven umfasst verschiedene Dimensionen. Gemeinsam bilden sie das soziale Fundament und die planetaren Grenzen des Donuts – und definieren damit den sicheren und gerechten Lebens- und Handlungsraum für die Menschheit.


Im Workshop konnten die Teilnehmenden die vier Perspektiven in separaten Arbeitsgruppen vertiefen. Die Gruppe, die ihre Stadt bzw. Gemeinde aus der lokal-sozialen Perspektive betrachtete, stellte beispielsweise fest, dass relevante Dimensionen wie Gesundheit, Bildung, Energie, Mobilität und Kultur relativ viel Aufmerksamkeit und Mittel erhalten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass bei weiteren Donut-Dimensionen wie Wohnen sowie Einkommen und Arbeit noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. 

Lokal-soziale Perspektive: Gemeinschaft statt Individualismus fördern

Die aktuell grössten und zugleich anspruchsvollsten Herausforderungen sahen die Teilnehmenden jedoch in den Bereichen, die mit den Donut-Dimensionen «Gemeinschaft» und «Verbundenheit» («Connectivity») in Zusammenhang stehen. Worum handelt es sich konkret? Die Teilnehmenden nannten Beispiele aus ihren Gemeinden:

  • zunehmende Einsamkeit – sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Generationen
  • Menschen, die das Gefühl haben, zurückgelassen zu werden und dass ihre Interessen nicht vertreten sind
  • wachsende Sorgen, dass Frieden und Gerechtigkeit unter Druck geraten könnten

Ein Teilnehmer brachte es treffend auf den Punkt:

« Um in den sicheren und gerechten Raum des Donuts zu gelangen, müssen wir dafür sorgen, dass mehr Gemeinsames und Miteinander entsteht – statt noch mehr Individualismus! »

Der Donut für Städte und Gemeinden: inspirierend und zugleich herausfordernd

Am Ende der Veranstaltung bilanziert Maria vom Kernteam des Swiss Donut Economics Network: « Die Stimmung im Raum war hoffnungsvoll. Aber ehrlich gesagt auch etwas überwältigt. Denn all das bedeutet Arbeit! Es gilt, politische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, Kolleg:innen mitzunehmen und die Lücke zwischen einem überzeugenden Modell und der Realität eines Montagmorgen-Meetings zu überbrücken. Niemand tat so, als wäre das einfach. Aber alle waren bereit, die Ärmel hochzukrempeln. »

Maeva aus der westschweizer Gemeinde Plan-les-Ouates sieht es ähnlich und betont den Wert des gemeinsamen Austauschs:

«Am meisten beeindruckt haben mich die ehrlichen Gespräche während dieses Workshops. Natürlich haben wir über unsere Ambitionen gesprochen, aber ebenso über Grenzen, langsame Prozesse und die Realität innerhalb unserer Verwaltungen und Organisationen. Und trotz allem war da ein echter Wille, voranzukommen. 
Mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, mit diesen Fragen nicht allein zu sein – zu wissen, dass auch andere experimentieren, anpassen und nach Lösungen suchen, das ist unglaublich wertvoll !
»


Maeva findet, der Donut sei vor allem ein Werkzeug, um einen Schritt zurückzutreten und eine Gesamtsicht zu entwickeln. Der Donut liefere keine fertigen Lösungen, aber er helfe dabei, eine gemeinsame Richtung zu finden und die richtigen Fragen zu stellen.

Maria teilt diese Sichtweise:

« Der Donut ist ein Kompass, kein Handbuch. Das Wissen darüber, wie wir ihn einsetzen können, liegt bereits in unseren alltäglichen Erfahrungen, in unseren Teams und im gemeinsamen Denken und Handeln. 

« Die Menschen gingen mit neuer Energie nach Hause » , zieht sie Bilanz « und mit der Motivation, dranzubleiben und weiterzumachen! » 

--->  Der Peer-Austausch für Vertreter:innen von Schweizer Gemeinde- und Stadtverwaltungen soll fortgesetzt werden. Das Swiss Donut Economics Network erhebt im Moment die Bedürfnisse des Zielpublikums, um ein konkretes Angebot entwickeln zu können.  <---


Die Zitate im Text stammen aus Linkedin Posts von Maria und Maeva (übersetzt aus dem Englischen, bzw. aus dem Französischen).

Fotos: One Planet Lab und Swiss Donut Economics Network.