Was tut meine
Stadt oder Gemeinde bereits – und was könnte sie zusätzlich oder besser machen,
damit die Menschen sich hier wohl fühlen und gedeihen können, ohne dabei die
planetaren Grenzen und das Wohlergehen aller Menschen weltweit zu gefährden?
Mit dieser Leitfrage eröffnete Kate Raworth den Workshop, den das One Planet
Lab gemeinsam mit dem Swiss Donut Economics Network Anfang Mai in Zürich organisiert
hat. 25 Teilnehmende aus Schweizer Gemeinde- und Stadtverwaltungen, aus lokalen Parlamenten und weitere Fachpersonen brachten ihre Einschätzung ein und tauschten ihre Erfahrungen und
Fragen aus.
Zu Beginn zeigte Kate Raworth, wie sich der Donut «ausrollen» lässt, um die Theorie in die Praxis zu bringen. Das vom internationalen Doughnut Economics Action Lab entwickelte Toolkit «Unroll the Doughnut» schlägt zum Betrachten der Leitfrage vier Perspektiven («four lenses») vor:
- lokal-ökologisch
- global-ökologisch
- lokal-sozial
- global-sozial
Jede dieser vier
Perspektiven umfasst verschiedene Dimensionen. Gemeinsam bilden sie das soziale
Fundament und die planetaren Grenzen des Donuts – und definieren damit den
sicheren und gerechten Lebens- und Handlungsraum für die Menschheit.
Im Workshop konnten die Teilnehmenden die vier Perspektiven in separaten
Arbeitsgruppen vertiefen. Die Gruppe, die ihre Stadt bzw. Gemeinde aus der
lokal-sozialen Perspektive betrachtete, stellte beispielsweise fest, dass relevante
Dimensionen wie Gesundheit, Bildung, Energie, Mobilität und Kultur relativ viel
Aufmerksamkeit und Mittel erhalten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass bei weiteren
Donut-Dimensionen wie Wohnen sowie Einkommen und Arbeit noch erhebliches
Verbesserungspotenzial besteht.
Lokal-soziale
Perspektive: Gemeinschaft statt Individualismus fördern
Die aktuell grössten und zugleich
anspruchsvollsten Herausforderungen sahen die Teilnehmenden jedoch in den
Bereichen, die mit den Donut-Dimensionen «Gemeinschaft» und «Verbundenheit» («Connectivity») in
Zusammenhang stehen. Worum handelt es sich konkret? Die Teilnehmenden nannten
Beispiele aus ihren Gemeinden:
- zunehmende Einsamkeit – sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Generationen
- Menschen, die das Gefühl haben, zurückgelassen zu werden und dass ihre Interessen nicht vertreten sind
- wachsende Sorgen, dass Frieden und Gerechtigkeit unter Druck geraten könnten
Ein Teilnehmer
brachte es treffend auf den Punkt:
« Um in den sicheren und gerechten Raum des Donuts zu gelangen, müssen wir dafür
sorgen, dass mehr Gemeinsames und Miteinander entsteht – statt noch mehr
Individualismus! »
Der Donut für
Städte und Gemeinden: inspirierend und zugleich herausfordernd
Am Ende der Veranstaltung bilanziert Maria vom Kernteam des Swiss Donut
Economics Network: « Die Stimmung im Raum war hoffnungsvoll. Aber ehrlich gesagt
auch etwas überwältigt. Denn all das bedeutet Arbeit! Es gilt, politische
Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, Kolleg:innen mitzunehmen und die Lücke
zwischen einem überzeugenden Modell und der Realität eines Montagmorgen-Meetings
zu überbrücken. Niemand tat so, als wäre das einfach. Aber alle waren bereit,
die Ärmel hochzukrempeln. »
Maeva aus der westschweizer Gemeinde Plan-les-Ouates sieht es ähnlich und betont den Wert des gemeinsamen
Austauschs:
«Am meisten
beeindruckt haben mich die ehrlichen Gespräche während dieses Workshops.
Natürlich haben wir über unsere Ambitionen gesprochen, aber ebenso über Grenzen,
langsame Prozesse und die Realität innerhalb unserer Verwaltungen und
Organisationen. Und trotz allem war da ein echter Wille, voranzukommen.
Mit dem
Gefühl nach Hause zu gehen, mit diesen Fragen nicht allein zu sein – zu wissen,
dass auch andere experimentieren, anpassen und nach Lösungen suchen, das ist
unglaublich wertvoll !»
Maeva findet,
der Donut sei vor allem ein Werkzeug, um einen Schritt zurückzutreten und eine
Gesamtsicht zu entwickeln. Der Donut liefere keine fertigen Lösungen, aber er helfe
dabei, eine gemeinsame Richtung zu finden und die richtigen Fragen zu stellen.
Maria teilt diese
Sichtweise:
« Der Donut ist ein Kompass, kein Handbuch. Das Wissen darüber, wie wir ihn einsetzen
können, liegt bereits in unseren alltäglichen Erfahrungen, in unseren Teams und
im gemeinsamen Denken und Handeln.
« Die Menschen gingen mit neuer Energie nach Hause » , zieht sie Bilanz « und mit
der Motivation, dranzubleiben und weiterzumachen! »
---> Der Peer-Austausch für Vertreter:innen von Schweizer Gemeinde- und Stadtverwaltungen soll fortgesetzt werden. Das Swiss Donut Economics Network erhebt im Moment die Bedürfnisse des Zielpublikums, um ein konkretes Angebot entwickeln zu können. <---
Die Zitate im Text stammen aus Linkedin Posts von Maria und Maeva (übersetzt aus dem Englischen, bzw. aus dem Französischen).
Fotos: One Planet Lab und Swiss Donut Economics Network.



